Fahrtbericht Maifahrt 2026 – Kinderschminken im Luftschutzkeller

Wie angekündigt waren wir im Mai mit zwei Transportern voller Hilfsgüter für die Binnengeflüchteten in Chmelnitskij in der Ukraine. Wir haben die beiden Freiwilligen des ZIVD e.V. mit ihrem Transporter vor der polnisch-ukrainischen Grenze getroffen, um gemeinsam zu passieren, denn diese Fahrt war für die Beiden die erste in die Ukraine. Nach entspannter Ankunft konnten wir die zahlreichen Hilfsgüter bei unserem Partnerverein „Kinderarche Ukraine“ direkt ausladen und verstauen.

Die Zeit in der Ukraine war gefüllt mit vielen Aufgaben und erfolgreich umgesetzten Plänen. Wir haben Reparaturen an einigen der Großgeräte, Kühlschränken, Waschmaschinen und Herden, vornehmen lassen und auch die mitgebrachten Kinderfahrräder überholen lassen.

Dank der Spendengelder konnten wir auch in Chmelnitskij wieder Lebensmittel, Hygieneartikel und Reinigungsmittel für die Geflüchteten einkaufen. An dieser Stelle gilt ein sehr herzlicher Dank allen Spender*innen.

Verbunden mit der Übergabe der Hilfsgüter an unsere Partnerorganisation ist natürlich die gezielte Weiterverteilung an die Geflüchteten. Dies organisiert Olena, bei der sich die Menschen registrieren und ihre Bedarfe vermerken lassen. An einem Nachmittag kam eine Familie, die erst vor drei Monaten aus den umkämpften Gebieten nach Chmelnitskij geflüchtet war, um einen speziellen Kinderwagen für die vierjährige Tochter abzuholen. Das Kind ist, wie auch der neun Jahre alte Pflegesohn der Familie, stark von Autismus betroffen. Die Familie erhielt außerdem Lebensmittel und weitere Produkte, die sie sehr dringend benötigen. Dinge wie Bettwäsche und Geschirr haben sie bereits kurz nach ihrer Ankunft von der „Kinderarche Ukraine“ erhalten, Spenden aus unserer vorherigen Fahrt. Die Familie bekommt eine Wohnung von der Stadt zugewiesen, ansonsten brauchen sie jede Unterstützung, die sie bekommen können, denn sie mussten außer zwei Rucksäcken alles zurücklassen. Eine besondere Freude konnten wir dem Jungen mit einem Fahrrad und Legobausteinen machen.

Kleine Freude für einen geflüchteten Jungen
Kleine Freude für einen geflüchteten Jungen

An dieser Stelle möchten wir Sanisax einen sehr herzlichen Dank für den speziellen Kinderwagen aussprechen und danken den Firmen Meditech Sachsen und Sanisax besonders für ihre großzügige Unterstützung mit medizinischen Hilfsmitteln, Orthesen, Rollatoren, Rollstühlen und Hygieneartikeln. Allen privaten Spender*innen gilt ebenfalls ein sehr herzlicher Dank.

Das Kinderprojekt in der Stadt, bei dem geflüchtete Frauen für ebenfalls geflüchtete Kinder Freizeitangebote gestalten, zählt inzwischen zu einem geschätzten Partner für impreuna. Am Tag nach unserer Ankunft waren wir zu einer Generalprobe eines Theaterstückes, welches die Kinder einstudiert hatten, eingeladen. Dabei hatten alle teilnehmenden Kinder nach ihren Interessen und Fähigkeiten eine Rolle gefunden, es war ein ausgelassenes Stück mit kreativen Kostümen und auch Tanz. Für die Betreuung der Kinder ist das Projekt ebenfalls sehr dankbar für Unterstützung mit Materialien. So konnten wir gezielt Bastelmaterial und kleine Kinderstühle besorgen.

Ein weiteres jährliches Vorhaben ist der Besuch des Kinderheimes im Zeitraum des Schuljahresendes und die Überreichung von Taschen an die Schulabgänger*innen. Diese setzen ihren Bildungsweg oftmals in einem Lyzeum fort, in welchem sie eine Ausbildung im Bereich Kochen, Nähen oder bspw. Malen machen und dazu in ein Wohnheim ziehen. Für diesen Schritt ins selbständige Leben geben wir ihnen eine Ausstattung bestehend aus Bettwäsche, Handtuch, Topf, Besteck und Hygieneartikeln mit. Dafür haben wir einen weiteren Einkauf auf dem Basar gemacht. Im nächsten Jahr möchten wir dazu eine gezielte Sammelaktion im Vorhinein starten und mit fertig gepackten Taschen in die Ukraine fahren.

Abschlusstaschen für die Schulabgänger*innen des Kinderheimes
Abschlusstaschen für die Schulabgänger*innen des Kinderheimes

Der Besuch im Kinderheim Antoniny war dieses Mal ein sehr ausgelassener Spielenachmittag. Wir haben Tischtennis und Fußball gespielt, mit den Kindern gemalt und erzählt, Armbänder geknüpft und Riesenseifenblasen gemacht. Bis zum Schlafengehen haben wir noch Uno mit den Kinder in ihren Zimmern gespielt. Eingetrübt wurde der Nachmittag allerdings durch einen knapp zweistündigen Luftalarm, den alle im Keller des Heimes verbringen mussten. Dort sind die Kinder anhand ihrer Schulklassen in Räume aufgeteilt, in denen es meist ein paar Stühle und Betten gibt. Besonders für die kleineren Kinder und jene mit Beeinträchtigungen ist die Zeit im Keller merklich besonders schlimm. Zwei junge Frauen, Ukrainerinnen, eine davon selbst ehemaliges Heimkind, haben uns begleitet und ein Musik- und Tanzangebot für die Kinder vorbereitet. Was sie vor dem Alarm in der Aula durchführen konnten, wurde nun zur großen Freude der Kinder im Keller fortgesetzt. Auch die Kinderschminke, die wir mitgebracht hatten, machte die Zeit im Keller erträglicher. In Gesprächen mit Betreuerinnen vor Ort konnten wir die Schwere heraushören, die allen Menschen in der Ukraine anlastet, genauso aber auch den Bedarf an Spenden in Form von Spielsachen wie Brettspielen oder Springseilen. Denn die Kinder sind trotz der schwierigen und belastenden Situation neugierig und fröhlich und freuen sich über jedes Spiel- und Kontaktangebot, das ihnen gemacht wird.

Ehemalige Heimkinder sind in Chmelnitskij als helfende Hände und gute Freunde inzwischen ebenfalls nicht mehr wegzudenken. Ob beim Ausladen, Einkaufen, Abfüllen der Lebensmittel oder dem Verladen und Verteilen von Großgeräten, sind sie uns eine große Hilfe. Ein besonders herzlicher Dank geht deshalb dieses Mal an Natascha, Sascha und Vitalina.

Während wir nun schon viel zu lange die Ukraine im Kriegszustand kennen, waren die ersten direkt erlebten Eindrücke der beiden Freiwilligen des ZIVD e.V. in der Ukraine sehr interessant für uns. Ihnen fiel die scheinbare „Normalität“ in Chmelnitskijs Alltagsleben auf, die dadurch unterbrochen wird, dass in der prominentesten Spazierstraße der Innenstadt achtseitige Aufsteller den gefallenen Soldaten der Stadt ein Andenken setzen. Es ist erschreckend, zu bemerken, dass es nicht mehr möglich ist, vom einen Ende der Reihe das andere Ende zu sehen. Jeden Morgen um 9:00 Uhr findet eine Schweigeminute überall in der Ukraine statt. Unabhängig davon, wo oder wobei die Menschen gerade sind, halten sie inne und schweigen. Die Autos halten an und die Fahrer*innen steigen aus. Die Stille begleitet das Ticken einer Uhr aus Lautsprechern, gefolgt von einem sehr tiefgehenden mehrstimmigen Gesang und der Hymne der Ukraine. Dies mitzuerleben ist beeindruckend und erschütternd.

Andenken an die Gefallenen Soldaten aus Chmelnitskij
Andenken an die Gefallenen Soldaten aus Chmelnitskij
Vermisste Soldaten aus Chmelnitskij
Vermisste Soldaten aus Chmelnitskij

Diese Eindrücke und herzliche Dankesbekundungen der Menschen bringen wir mit zurück aus der Ukraine. Den Dank möchten wir weitergeben an alle Unterstützer*innen und Spender*innen. Der Angriffskrieg zerstört nun schon im fünften Jahr Leben in der Ukraine und die Menschen sind weiterhin dringend auf Unterstützung angewiesen und brauchen unsere Solidarität.

Die nächste Fahrt ist für August geplant. Ab sofort sammeln wir dafür Geld- und Sachspenden. Ihr könnt uns bezüglich Sachspenden per E-Mail kontaktieren (ukraine@impreuna.org ) oder Geldspenden auf folgendes Konto überweisen.

IBAN: DE38850503003120001413
BIC: OSDDDE81XXX (Ostsächsische Sparkasse Dresden)
Konto-Inhaber: Impreuna e.V.
Verwendungszweck: Ukraine

Vielen herzlichen Dank für Eure Unterstützung, Euer Interesse und Eure Solidarität!