Wo die Hilfe ankommt – Geflüchtete berichten

Teil 1

Tetjana ist eine der vielen Geflüchteten innerhalb der Ukraine. Ihre Geschichte hat sie Olena erzählt, der Frau, die in ihrer Heimatstadt Chmelnitzkij über die Organisation „Kinderarche Ukraine“ so vielen Menschen wie möglich hilft. Diese Organisation ist unser Partner, dorthin gehen alle Sachspenden und mit den Spendengeldern werden in der Stadt weitere wichtige Dinge des täglichen Bedarfs eingekauft, wie z.B. Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel. Die Binnengeflüchteten, die sich bei der „Kinderarche Ukraine“ registrieren lassen, können sich dann dort abholen, was sie benötigen. So konnte Tetjana den Drucker erhalten, den sie für ihre Arbeit so dringend brauchte. Die Menschen sind auf diese Hilfe angewiesen, weil sie oftmals wenig Geld haben und nicht direkt eine Arbeit finden oder sich um ihre kleinen Kinder kümmern müssen und nicht arbeiten können.

Tetjana

Wasyliwka, Gebiet Saporischschja

„Für unsere Familie begann der Krieg am 28. Februar 2022, als die „Asvabaditli“ („Befreier“) begannen, unsere Heimatstadt Wasyliwka im Saporischschja-Gebiet zu zerstören. Zuerst dachten wir, wir könnten im Haus bleiben, aber dann wurde uns klar, dass wir ohne Schutz sterben könnten. Also nahmen wir unseren Hund mit und gingen in den Schutzraum, weil wir Angst hatten. Und dann begann die schlimmste Woche unseres Lebens. Überall wurde geschossen, es gab Feuer und laute Explosionen, und es war beängstigend, nach draußen zu gehen. So verbrachten wir die ganze Woche in einem kalten Schutzraum ohne Licht und Wärme. Als es etwas ruhiger wurde und russische Soldaten in die Stadt kamen, gingen wir nach Hause, aber es gab lange Zeit weder Strom noch Wasser. Jeder Tag wurde zu einer „Jagd“ nach Lebensmitteln, denn die meisten Läden waren kaputt und es gab nichts mehr zu kaufen. Und es war beängstigend, weil so viele Angriffe waren. An einem dieser Tage beschlossen wir, unsere Tochter zu ihren Verwandten in ein nahes gelegenes Dorf zu schicken, wo es etwas sicherer war. Der Weg dorthin war auch gefährlich, aber wir schafften es zum Glück. In der Stadt hatten wir weiter ständig Angst, denn dort liefen Soldaten mit Sturmgewehren herum und es war unklar, was sie vorhatten, sie hielten jeden an – kontrollierten Papiere, untersuchten auf Tätowierungen. Wenn es dunkel wurde, bedeckten wir die Fenster mit Decken und saßen im Dunkeln, denn die Soldaten fuhren herum und schossen aus den Sturmgewehren dorthin, wo Licht war.

Mein Mann arbeitete bis zum letzten Tag als Elektriker, auch bei Beschuss, um die Probleme zu beheben, damit der Strom weiterlief und Leute Licht hatten.

Ich arbeitete als Lehrerin, und als viele „Liebhaber der russischen Welt“ zu den Angreifern überliefen, beschloss ich, wegzufahren, denn sie zwangen uns mit allen Mitteln, für sie zu arbeiten. Als Druckmittel nutzten sie sogar Kinder und Verwandte. Ich hatte große Angst, es war die längste Reise meines Lebens, bis wir Saporischschja erreichten. Ich konnte nur einen Rucksack mit Dokumenten und eine Tasche mit Kleidung mitnehmen. Wir reisten, ohne zu wissen, wohin wir fuhren, nur um diesem Horror zu entkommen. Schließlich sind wir in Chmelnitzkij angekommen.

Unsere Stadt ist immer noch besetzt, ein Referendum und Wahlen wurden abgehalten. Die Menschen, die geblieben sind, werden gezwungen, sich russische Pässe ausstellen zu lassen, ohne diese werden sie im Krankenhaus nicht behandelt. Vor kurzem haben die Besatzer begonnen, Männer für ihre Armee zu rekrutieren, aber erstmal nur unter Vertrag.

Es ist sehr schwer, jetzt in einer fremden Stadt zu leben, wenn man weiß, dass man alles zu Hause gelassen hat. Aber dank Ihrer Hilfe und Unterstützung leben wir weiter und sind zunehmend davon überzeugt, dass es in dieser Welt  Güte gibt. Trotz aller Entbehrungen haben wir überlebt und setzen unsere Arbeit weiter fort, obwohl meine Schüler über die ganze Ukraine und das Ausland verstreut sind. Wir haben es geschafft, Strukturen für die Weiterführung der Bildung zu organisieren, trotz der angespannten Situation mit regelmäßigen Alarmen und auch wenn die Ausbildung aus der Ferne stattfindet. Es ist wichtig, dass Ihre Organisation uns mit Mitteln unterstützt, um die Arbeit zu erleichtern und so die Qualität der Ausbildung der Kinder zu verbessern. Vielen Dank für den Drucker, den wir erhalten haben, das ist sehr wichtig für unsere Arbeit.“

Unser Verein wird in den nächsten Tagen erneut einen Hilfstransport starten. Dafür benötigen wir noch dringend Unterstützung in Form von Geld- und Sachspenden. Eine genaue Auflistung der benötigten Dinge finden Sie unter diesem Link: https://impreuna.org/bedarfsliste-ukraine/. Bitte solidarisieren Sie sich mit den Binnengeflüchteten in Chmelnitzkij und seien Sie Teil der Finanzierung unserer Arbeit!

Unsere Bankverbindung:

IBAN: DE38850503003120001413

BIC: OSDDDE81XXX (Ostsächsische Sparkasse Dresden)

Konto-Inhaber: Impreuna e.V.

Verwendungszweck: Ukraine

Wenn Sie uns mit Sachspenden unterstützen möchten, senden Sie bitte eine E-Mail an ukraine@impreuna.org

Vielen Dank!